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Nachhaltigkeit ist Daseinsfürsorge

Havelberg

Daseinsfürsorge sollte anfangen mit der Sorge um unsere existentiellen Grundlagen in Form von Klima-, Natur- und Artenschutz. Entsprechend der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt (SA-MULE) sind alle Maßnahmen auf Nachhaltigkeit und Zukunftstauglichkeit zu prüfen, wobei sowohl die Pariser Klimaziele (2015) als auch die Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UNO) und ihre Nachhaltigkeitsziele (SDGs) im Vordergrund stehen. Es geht um Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und die dringende Umsetzung von Energie-, Verkehrs- und Ernährungswende, um den fortschreitenden Klimawandel einzudämmen und die Erderwärmung auf maximal erträgliche 1,5°C zu begrenzen. 

Zur Stärkung des diesbezüglichen öffentlichen Bewusstseins sind zivilgesellschaftliche Initiativen wichtig und hilfreich. Sie können auf Konzepte und Vorbilder zurückgreifen, die an anderen Orten erfolgreich arbeiten, wie z.B. das Forum Nachhaltiges Leipzig (www.nachhaltiges-leipzig.de) und die ZukunftsAkademie Leipzig (www.zukunftsakademie-leipzig.de) sowie Netzwerke, wie z.B. das Netzwerk Zukunft Sachsen-Anhalt (www.kosa21.de) und RENN.mitte (www.renn-netzwerk.de/mitte). Um Klimaschutz an Ort und Stelle erlebbar zu machen bieten sich innovative, digitale Umwelt­routen an, wie z.B. die KLIMA°Trax-App (www.klimaschutz.de/projekt/klimadegtrax).

Es ist die menschengerechte Stadt - im Gegensatz zur autogerechten Stadt - zu schaffen. Dafür ist es notwendig, soweit wie möglich Grün in die Stadt zurück zu bringen durch weitestgehende Entsiegelung von Flächen und z.B. Umwandlung von Parkplätzen in Grünflächen. Durch den Aufbau nachhaltiger und umweltfreundlicher Strukturen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), wie z.B. Elektrobusse und -bahnen sowie deren sozialverträgliche, öffentliche Finanzierung ist der klimaschädliche Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren weitestgehend zu ersetzen. Dadurch sinkt gleichzeitig die Bedeutung asphaltierter Straßen, die zugunsten von Rad- und Fußwegen entsprechend zurückzubauen sind.

Bezüglich Gesundheit geht es entsprechend den Gesundheitszielen des Landes Sachsen-Anhalt (SA-MASI) vor allem um Vorsorge (Prävention) als Verhinderung von Krankheit, insbesondere durch Ernährung und Bewegung. Während wissenschaftliche Grundlagen gesunder Ernährung seit langem bekannt sind, hat eine internationale Expertengruppe 2019 erstmals veröffentlicht wie eine Ernährung aussehen müsste, die gleichzeitig gesund, klimafreundlich und für alle weltweit möglich wäre. Mit der EAT Lancet Studie (Willett, W. et al.: Lancet 393: 447–492, 2019; Apfel, P.: FOCUS-Online, 18.01.2019) wurden Richtwerte für einen Essensplan der Zukunft pro Person und Tag gegeben (z.B. 14 g Fleisch, 31 g Zucker) und fünf Strategien zur Umsetzung einer gesunden Welternährung vorgeschlagen.

Für diese Umsetzung können Erfahrungen mit Ernährungsräten, wie z.B. Ernährungsrat Leipzig (www.ernaehrungsrat-leipzig.org) genutzt werden. In Ernährungsräten schließen sich Menschen zusammen, die ihr Essen vor Ort sowie die regionale Landwirtschaft mitgestalten wollen. Dabei geht es um Ernährungswende von unten als gutes Essen für alle, essbare Städte, gute Stadt-Land-Beziehungen, eine nachhaltige Landwirtschaft in der Region, eine reiche lokale Ernährungskultur und die Freude am Essen. Es gilt schulische und außerschulische Bildung zu gestalten, um gesunde und nachhaltige Ernährung erfahrbar zu machen sowie Netzwerke regionaler Wertschöpfungsketten aufzubauen.

Dabei stehen frische, regionale, saisonale und ökologische Produkte im Vordergrund, meist produziert von kleinen Erzeugern, wie z.B. Solidarischen Landwirtschaften (SoLawis). Für deren Verteilung/Vertrieb sind Aktivitäten im öffentlichen Raum sehr wichtig, wie z.B. Wochenmärkte und Marktschwärmer (www.marktschwaermer.de). Darüberhinaus wird Selbstversorgung immer wichtiger. Das Konzept Essbare Stadt, wie z.B. LeipzigGrün (www.leipziggruen.de) beantwortet die folgenden Fragen: Welche Lebensmittel wachsen auch in der Stadt? Wie können städtische Gartenflächen im Sinne aller genutzt werden? Wie können Bürger* innen städtische Flächen (mit)gestalten? Urbane Landwirtschaft und Gemeinschaftsgärten, wie z.B. ANNALINDE Leipzig (www.annalinde-leipzig.de) sowie Obst-Allmenden, wie z.B. Mundraub (www.mundraub.org) und Frucht-bar (www.frucht-bar.org) sind nachahmenswerte Beispiele zukunftstauglicher Versorgung.

Bezüglich Bewegung als dem anderen Landesgesundheitsziel sehen wir vor allem großes Potential in der Bereitstellung eines modernen Sportangebots mit Anlagen im Außenbereich für das Training mit dem eigenen Körpergewicht. Dabei kann auf Erfahrungen aus Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt), wie z.B. GhettoWorkout und BARBARA (www.workoutparks.com) zurückgegriffen werden.

Für eine bedarfsgerechte haus- und fachärztliche Versorgung der Bevölkerung sollte mindestens eine entsprechende lokale Einrichtung vorgehalten werden.

Dr. Gerald Walter (Hayati e.V.) & Wolf Guenter Thiel (Old School ICA)

Hayati
Reference No.: 2021-04100
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