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Onlinekommentierung: Arbeitsstand Hamburger Social Entrepreneurship Strategie

Wir haben vier Monate gesammelt, ausgewertet, gewichtet und diskutiert. Hier stehen die ersten Richtpfeiler auf dem Weg zur Hamburger Social Entrepreneurship Strategie zur Kommentierung.

Ihre und Eure Rückmeldungen sind gefragt: 12 Tage Onlinekommentierung zum Arbeitsstand

Wir haben den Arbeitsstand auf dem Weg zum Strategieentwurf in Texte gefasst. Diese stehen bis zum 10. April 2022 zur digitalen Kommentierung bereit.

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Themenfeld „Community“: Sammlung Ziele, Ansätze, Maßnahmen

Eine starke Community ist die Keimzelle von SocEnt in alle gesellschaftlichen Bereiche.

Jedes Thema braucht eine Gruppe an Menschen, die das Thema verkörpert und vorantreibt. Idealerweise wird diese Gruppe immer größer, immer kollaborativer, immer sichtbarer – und immer wirksamer. Eine solche Gruppe – in unserem Fall die Hamburger SocEnt-Community, also sowohl aktive Social Entrepreneurs als auch einzelne Akteur:innen, die das Ziel verfolgen Social Entrepreneurship zu stärken – entsteht nicht nur organisch, sondern kann auch bewusst durch die Politik strategisch gestärkt werden. Sei es über die Etablierung von Räumlichkeiten, digitalen Plattformen oder analogen Austausch-Formaten bis hin zur Förderung öffentlichkeitswirksamer Leuchtturmprojekte oder der gezielten Ansprache spezifischer Zielgruppen.   

Gelingt dies, strahlt die Community in alle anderen Handlungsfelder unserer Strategie positiv aus (Finanzierung, Entwicklungskompetenzen, etc.). Sie ist damit ein entscheidendes Querschnitts-Element eines funktionierenden SocEnt-„Ökosystems“ (siehe vorheriges Kapitel “Zielbild”), wie wir es mit dieser Strategie in Hamburg anstreben. Oder wie es eine Teilnehmerin unserer Analysephase formulierte: “Community schafft Interaktion, Interaktion schafft Insights und Insights schaffen Impact.”

Dabei ist keine Community jemals eine Insel. Aufgrund der definitorischen Unschärfe des Begriffs „Social Entrepreneurship“ verschwimmt die Community bereits heute – häufig ungewollt – an den Rändern mit anderen gesellschaftlichen Sektoren. Unsere Strategie soll zukünftig einen Beitrag leisten, dass dies bewusster und aktiver geschieht: Es braucht Brücken, „Netzwerkknoten“, um konstruktive Verbindungen zwischen der SocEnt-Community einerseits und der klassischen Wirtschaft, der Wissenschaft und der Verwaltung andererseits deutlich zu verstärken. Nur so können Wissen, Talente und Investitionen zwischen Community und Gesamtgesellschaft diffundieren. Und nur so kann aus einer fragilen „Blase“ ein kräftiger Impuls werden, der das Potential für die Gesamtgesellschaft entfaltet.   

Hamburger Potenziale

Hamburg hat bereits heute eine beachtliche SocEnt-Community. Starke Akteur:innen wie SEND Nord, das Social Impact Lab oder das Impact Hub Hamburg sowie Initiativen wie Viva con Aqua, das Dialoghaus, wellcome, Wildplastic oder Lemonaid (u.v.m.) strahlen auch in andere gesellschaftliche Bereiche der Stadt bzw. weit über Hamburg hinaus. Insgesamt positionieren sich bereits jetzt ca. 160 vielfältige Organisationen in Hamburg als SocEnt.    

Es gibt für SocEnts erste explizite Orte, Veranstaltungen und Vernetzungsformate, allerdings im Vergleich beispielsweise zur klassischen Start-up-Szene recht wenig. Einige Angebote sind vorhanden, die sich vor allem auf die Vernetzung von Wissenschaft und Forschung mit SocEnts fokussieren, außerdem gibt es erste Inkubatoren und Acceleratoren mit der klaren Zielgruppe SocEnt. Auch gibt es verschiedene Wettbewerbe mit Bezug auf gesellschaftspolitische Themen, vielfach aber – so wird teilweise kritisiert – ohne “kollaborativen Geist”.    

In der Praxis gibt es noch weiteren Raum für Stärkung: Generell bemängeln viele SocEnts eine fehlende Erstanlaufstelle, zu wenig Vernetzung untereinander sowie fehlende, breite Sichtbarkeit in Hamburg. Es muss im Gegenteil zukünftig Transparenz unter den Akteur:innen geschaffen werden, um in konstruktiven Austausch zu kommen, das Thema greifbarer zu machen und Kräfte bündeln zu können. Der Transfer zu Behörden und Wirtschaft soll gestärkt werden und “eine gemeinsame Sprache” gefunden werden: Mit welchem konkreten Anliegen kann ich als SocEnt an welcher Stelle außerhalb der Community anknüpfen? Auf wen kann ich mit meinem konkreten Anliegen als Behörde/Unternehmen außerhalb der Community zugehen? Es braucht Vermittlungsstationen. Denn klar ist, es steckt noch sehr viel Potenzial in innovativen gesellschaftlichen Ideen, die bereits existierten, die aber noch nicht ihre volle Wirkkraft entfalten konnten. Ein weiterer Bereich für mehr Stärkungspotential: die Haltung und Identität der Community. Hier gab es den vielfachen Wunsch nach mehr Klarheit in Bezug auf das (gemeinsame) Vorgehen und die (systemische) Zielsetzung. 

Zielsetzungen

Ziel ist es, eine größere und wirkungsvollere SocEnt-Community in Hamburg zu erreichen, und zwar insbesondere durch: 

  • Mehr Transparenz und Außen-Wirkung: Eine attraktive Community, die für neue Zielgruppen und Unterstützer einfach zugänglich ist – und ihre systemische Wirkung deutlich klarer erkennt und darstellt. Das fördert den Sog von SocEnt in alle Richtungen (Talente, Geldgeber, Partner, etc.)    
  • Mehr und bessere Zusammenarbeit der Social Entrepeneur:innen untereinander: Ein kollaborierendes Netzwerk, das sich gegenseitig befruchtet. Das sorgt für Wissensaustausch, Synergien, ein starkes Gemeinschaftsgefühl und mehr Wirkung als schlagkräftige Gemeinschaft.    
  • Mehr Berührungspunkte und Kollaboration mit Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung: Social Entrepreneurship als Querschnittsthema, das gesellschaftsorientierte Innovation in allen Sektoren vorantreibt. Das fördert die gegenseitige Inspiration und Innovationskraft und lässt Wissen, Finanzierungen, Talente, etc. zwischen der Community und der Gesamtgesellschaft diffundieren. 

Ansatzpunkte und erste Maßnahmenvorschläge

Etablierung transparenter analoger und digitaler Austauschformate/ -Orte 

Eine „Infrastruktur“ zum schnellen Zugang, zur direkten Kollaboration, zur Kompetenzvermittlung und/oder dem gegenseitigen “Matching” von Bedarf/Angebot an Fähigkeiten ist nötig. Mögliche Maßnahmen:  

  • Reale Orte für Ko-Kreation/Inspiration bereitstellen (auch: Erstanlaufstelle: “Jede Antwort ist ein Anruf entfernt”)   

  • Wettbewerbe, die stärker auf Kooperation, als auf Competition ausgerichtet sind (“Co-petition”), gleichzeitig kein “Strohfeuer”, sondern nachhaltig sind, z. B. durch anschließende Stipendien    

  • Online-Datenbank/digitales Tool, das gesuchte & angebotene Fähigkeiten von SocEnt zusammenbringt (Fähigkeiten-”Tinder” für SocEnt) bzw. das gegenseitige Netzwerken/Mentoring fördert   

  • Forum für Themen mit (inter-)nationalem SocEnt-Fokus (“Social Erasmus”)   

  • Spezifische „Kümmerer:in“/Community-Manager:in bzw. dazugehörige Formate mit der klaren Aufgabe, die Community zusammenzuführen und zu stärken   

Stärkung des “Gemeinschaftsgefühls”, des Willens zur Kooperation und des gegenseitigen Vertrauens 

Die Grundlagen des „Community-Buildings verbessern. Mögliche Maßnahmen:  

  • Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes (“Nordsterns”) bzw. eines Manifests, das Orientierung gibt, Rahmen setzt und Identität stärkt   

  • Klare Haltung vertreten (“Wirkung/Impact first”, divers, “healthy und wellbeing”, “eco statt ego”, etc.)   

  • Aufbau einer „schnellen Task Force“, die als Anlaufstelle insb. für externe Akteur:innen dient, um bei gesellschaftlichen Herausforderungen schnelle, wirksame Lösungen zu entwickeln   

Sichtbarmachung des Mehrwerts von Zusammenarbeit gegenüber Unternehmen, Stiftungen, Hochschulen und der Wohlfahrt.  

Kommen unterschiedliche Akteur:innen konstruktiv zusammen, entsteht mehr als nur die Summe der einzelnen Teile. Welchen Gewinn die Kollaboration mit SocEnts für andere Sektoren bringen kann, das muss zukünftiger noch sichtbarer werden. Mögliche Maßnahmen: 

  • Schaffung eines Bewusstseins im kaufmännischen Mindset Hamburgs für das Thema SocEnt (“Ehrbarer Kaufmann 2.0”)   

  • Freiwilliges soziales Jahr im SocEnt-Bereich (Koop mit ERASMUS)   

  • Erweiterung des SEEd-Programms auf Hochschulen   

  • Intrapreneur-Progamm in der Wohlfahrt und in Behörden (“Zukunftsmacher:innen”)   

  • Beteiligung von SocEnts in klassischen Innovationsprozessen, dort können sie als Prozess-Vorbild und inhaltliche Impulsgeber:innen dienen   

  • “Grundkurs” SocEnt/Transformation für Schnittstellen-Akteure:innen, um Knowhow zu stärken     

Den Wirkungsanspruch stärken und nach außen tragen 

Wenn Wirkung immer als Ziel beschrieben wird, muss Wirkung auch messbarer werden – insbesondere um im Vergleich mit der klassischen Wirtschaft/Investor:innen „bestehen“ zu können. Zusätzlich muss damit auch eindeutiger aufgezeigt werden, wie SocEnts systemisch positive Veränderung erzielen. Mögliche Maßnahmen:  

  • Aufsetzen/Finanzierung eines einheitlichen, niedrigschwelligen Wirkungsreportings durch das BWI   

  • Wirkungs-Knowhow wird durch Schulungen und Workshops bei SocEnt, Fördernden und Investierenden vertieft   

  • Mehr Co-Design von Angeboten mit den Begünstigten selbst   

Kommunikation nach außen verbessern 

Aufbauend auf einem Leitbild/Manifest muss mehr Menschen verständlicher gemacht werden, welche Kraft SocEnts für die Herausforderungen der Zukunft entfalten können. Damit ein Sog an Unterstützung und Talenten entsteht. Mögliche Maßnahmen:  

  • Klarere Definition von Social Entrepreneurship   

  • Weitere spezifische Zielgruppen gezielt angehen: Migrant:innen, Frauen, “Gründungsferne” und “Bildungsferne” Milieus, Nachwuchs   

  • Mehr Leuchttürme und Vorbilder hervorheben   

  • Bestehende Kommunikationskanäle öffnen und SocEnt-Themen integrieren (hamburg.de, etc)   

  • Strukturelle Erfolge, zu denen SocEnt beigetragen hat, feiern und kommunikativ prominent platzieren   

  • Erstanlauftstelle als zentrale niedrigschwellige Website, die auf alle Fragen rund ums Thema einfache Antworten/Vermittlung gibt   

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