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43. Änderung des Flächennutzungsplans sowie des B-Plans Winsen Nr. 10 abhehnen

Stellungnahme / Beitrag für Brainstorming
Ablehnung der 43. Änderung des Flächennutzungsplans sowie des B-Plans Winsen Nr. 10 (Hamburger Straße / Deichstraße – 4. Änderung, Erweiterung Discountmarkt)

VorbemerkungNicht immer ist „größer“ gleich „besser“. Der aktuelle Trend in der Stadt- und Versorgungsplanung geht klar in Richtung bürgernahe, kleinteilige Nahversorgung statt weiterer Konzentration und Flächenversiegelung an wenigen zentralen Standorten. Vor diesem Hintergrund ist die geplante Erweiterung des ALDI-Marktes am Altstadtring kritisch zu bewerten und aus fachlicher wie stadtentwicklungspolitischer Sicht abzulehnen.

1. Lage im Überflutungs- und Auenbereich – hohe ökologische SensibilitätDie geplante Erweiterung liegt innerhalb bzw. unmittelbar angrenzend an Auen und Überschwemmungsgebiete von WRRL-Prioritätsgewässern (Luhe / Ilmenau). Diese Bereiche sind nach landesweiten Fachkulissen als naturschutzfachlich besonders bedeutsam eingestuft.Insbesondere ist festzuhalten:– Die Fläche liegt in bzw. grenzt an Auen der WRRL-Prioritätsgewässer, abgeleitet aus:– festgesetzten und vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten (ÜSG) gemäß § 115 NWG– Bodenkarte BK50 (auentypische Bodenlandschaften, inkl. Ergänzungen und 100-m-Puffer)– Planungsräumen der Integrierten Bewirtschaftungspläne (IBP)– Der Bereich grenzt an naturschutzfachlich besonders bedeutsame Gebiete mit Auenbezug, u. a.:– FFH- und Vogelschutzgebiete– Naturschutzgebiete, Feuchtgrünland, Niedermoore– landesweit wertvolle Bereiche für den Naturschutz– Vernetzungsräume für Arten wie Fischotter und WeißstorchDiese Kulissen sind inhaltlich, räumlich und rechtlich von hoher Bedeutung für die Gewässer- und Auenentwicklung in Niedersachsen. Eine weitere bauliche Verdichtung steht im klaren Widerspruch zu den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie, des Hochwasserschutzes und der Klimaanpassung.

2. Reduktion von Ausgleichs- und RetentionsflächenDie geplante Erweiterung würde:– die unmittelbar angrenzende Ausgleichsfläche weiter reduzieren,– Retentionsräume schwächen, die für den Hochwasserschutz essenziell sind,– schützenswerte Landschafts- und Bodenfunktionen dauerhaft beeinträchtigen.Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Starkregenereignisse und Hochwasserlagen ist eine weitere Versiegelung in Auenbereichen fachlich nicht zu verantworten.

3. Verkehrliche Überlastung bereits heute vorhandenUnabhängig von den ökologischen Aspekten ist die Verkehrssituation bereits jetzt hoch problematisch:– starke Belastung des Straßennetzes rund um den ALDI-Standort,– erhebliche Stau- und Gefährdungssituationen zu Stoßzeiten, insbesondere:– im Bereich Altstadtring / Hoopter Straße,– sowie Hamburger Straße / Deichstraße.Eine Markterweiterung würde das Verkehrsaufkommen weiter erhöhen und bestehende Probleme verschärfen – ohne tragfähiges verkehrliches Gesamtkonzept.

4. Kritische Einordnung: „Naturräumliche Region DTK50“Die Einordnung in eine naturräumliche Region (DTK50) ist insofern relevant, als sie die landschaftsökologische Eigenart, Bodenverhältnisse und wasserwirtschaftliche Funktionen des Raumes beschreibt. Auch hier gilt: Die naturräumlichen Grundlagen sprechen gegen zusätzliche bauliche Verdichtung in sensiblen Auen- und Überschwemmungsbereichen.

5. Alternativer Ansatz: Stärkung der lokalen NahversorgungStatt bestehende zentrale Standorte weiter zu skalieren, sollte die Stadt Winsen einen strategischen Richtungswechsel vollziehen:– Winsen wächst räumlich – die Einkaufsmöglichkeiten wachsen bislang fast ausschließlich innerhalb der Kernstadt.– Der ÖPNV ist für Einkaufsfahrten – insbesondere aus den umliegenden Dörfern – zu selten und zu unzuverlässig.– In Neubaugebieten ist Parkraum knapp, regelmäßige kurze Autofahrten für den täglichen Bedarf sind weder zeitgemäß noch klimaverträglich.– Gerade ältere Menschen sind auf fuß- oder fahrradläufig erreichbare Nahversorger angewiesen.Ziel sollte es daher sein, kleinere Märkte und Nahversorger dezentral in Wohn- und Dorfstrukturen anzusiedeln, anstatt bestehende Märkte in ökologisch sensiblen Bereichen weiter zu vergrößern.

FazitDie geplante Erweiterung des ALDI-Marktes am Altstadtring ist:– ökologisch nicht vertretbar,– wasser- und naturschutzfachlich hoch problematisch,– verkehrlich nicht tragfähig,– stadtentwicklungspolitisch nicht zukunftsorientiert.Die 43. Änderung des Flächennutzungsplans sowie der B-Plan Winsen Nr. 10 sollten daher abgelehnt werden. Stattdessen braucht es eine konsequente Förderung dezentraler, wohnortnaher Nahversorgung im gesamten Stadtgebiet und den umliegenden Ortsteilen. 

… nur mal so in die Tüte gesprochen.

DerBørger
Reference No.: 2026-18755
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