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Nicht zu Ende gedacht!

Als Anwohner im direkten Umfeld des geplanten Neubaugebietes möchten wir unsere großen Bedenken äußern. Die Schaffung von Wohnraum ist grundsätzlich nachvollziehbar und definitiv nötig, jedoch müssen die Auswirkungen auf bestehende Strukturen sorgfältig berücksichtigt werden.

Die im Brandbrief vom 6.3.2024 angesprochenen Punkte sehen wir weiterhin nicht ausreichend berücksichtigt:

  • Verkehr: Die bestehende Verkehrssituation ist bereits stark belastet. Es fehlt ein überzeugendes Konzept zur Vermeidung zusätzlicher Verkehrsprobleme. Insbesondere in der Bauphase, welche sich über mehrere Jahre erstrecken wird, ist nicht nur mit deutlich mehr Verkehrslärm und Feinstaub zu rechnen auch die Belastung durch die Zulieferer, die die schmale Astrid-Lindgren-Straße passieren müssen, führt zu Einschränkungen der Nutzung durch die Anwohner im bestehenden Wohngebiet. Auch ist damit zu rechnen, dass die Straßen über einen langen Zeitraum wegen der Nutzung von schweren Baufahrzeugen beschädigt sein werden. Besonders kritisch sehen wir die Sicherung der Schul- und Kitawege. Bereits heute nutzen viele Kinder die betroffenen Straßen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Durch zusätzlichen Baustellenverkehr und später dauerhaft erhöhtes Verkehrsaufkommen steigt das Unfallrisiko erheblich. Engstellen wegen Parken auf der Straße statt in Parkbuchten (ist bereits heute ein Problem) sowie fehlende Gehwege in den Nebenstraßen verschärfen diese Situation zusätzlich. Die vorgelegten Verkehrsmessungen erscheinen aus unserer Sicht nicht realistisch und nicht repräsentativ für die tatsächliche Verkehrssituation. Nach unserer Wahrnehmung spiegeln die angegebenen Zahlen weder die Belastung zu Stoßzeiten (Berufsverkehr, Schulbeginn/-ende) noch saisonale Schwankungen wider. Insbesondere Bring- und Holverkehr, Lieferverkehr sowie Ausweichverkehre wurden offenbar nicht ausreichend berücksichtigt. 
  • Soziale Infrastruktur: Wohnraumentwicklung darf nicht losgelöst von der sozialen und medizinischen Infrastruktur betrachtet werden. Kita-, Schul- und ärztliche Kapazitäten sind schon jetzt angespannt. Eine verbindliche parallele Planung der sozialen Infrastruktur ist erforderlich. Die bisherigen Planungen lassen nicht erkennen, wie die Kita-/Schulkinder zukünftig untergebracht werden sollen. Kitaplätze sind schon heute nicht ausreichend vorhanden, die Klassenzimmer in den Schulen viel zu voll. Ein Neubau einer Kita dauert von der Planung bis zur Eröffnung bis zu 3 Jahre, man muss also bereits heute damit beginnen, um den Bedarf im neuen Wohngebiet abdecken zu können. Nach unserer Kenntnis arbeiten die wenigen Kinderarztpraxen im Umfeld bereits an ihren Kapazitätsgrenzen bzw. haben einen Aufnahmestopp verhängt. Schon heute ist es für Familien schwierig, zeitnah Termine zu erhalten oder überhaupt eine wohnortnahe Praxis zu finden. Durch das geplante Neubaugebiet ist mit einem weiteren Zuzug junger Familien zu rechnen. Ohne eine realistische Betrachtung der medizinischen Versorgungssituation entsteht hier eine zusätzliche strukturelle Belastung.
  • Flächenversiegelung & Klimafolgen: Zusätzliche Versiegelung verschärft Hitzeentwicklung und Starkregenprobleme. Hier bedarf es transparenter und wirksamer Maßnahmen. Eine nachhaltige Ortsentwicklung sollte den Flächenverbrauch auf das notwendige Maß begrenzen und Klimaresilienz von Anfang an mitdenken.
  • Entwässerung: Eine nachvollziehbare Lösung zur Regenwasserbewirtschaftung ist angesichts zunehmender Starkregenereignisse zwingend notwendig. Die bisher geplante Entwässerung ist nicht ausreichend, besonders hinsichtlich der Nähe zur Elbe. Der Boden in den Gärten kann schon heute nicht ausreichend entwässern, wenn es mal stärker oder länger regnet. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse ist eine rein rechnerische Mindestlösung nicht ausreichend. Notwendig ist ein robustes, zukunftsfähiges Entwässerungskonzept, das Risiken für bestehende Wohngebiete ausschließt.
  • Bebauungsdichte: Die geplante Dichte erscheint nicht ortsangepasst, da weder in bereits fertig gestellten Baugebieten noch bei anderen Planungen eine derartige Menge an Wohneinheiten zu finden ist. Hier hat man offenbar jahrzehntelang geschlafen und versucht dies jetzt auf einmal nach zu holen.
  • Altersgerechtes Wohnen: Bei der Planung des Neubaugebiets hat man den Fokus auf sozialen Wohnungsbau sowie Familien gelegt. Dabei sollte auch der Bedarf an barrierefreiem und altersgerechtem Wohnraum berücksichtigt werden. Der demografische Wandel zeigt: Immer mehr Menschen möchten auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben. Ein gut durchmischtes Neubaugebiet, das sowohl jungen Familien als auch älteren Menschen Wohnraum bietet, schafft klare Vorteile für Jung und Alt.

Wir bitten darum, diese Punkte im weiteren Verfahren ernsthaft abzuwägen und transparent darzustellen, wie eine verträgliche, nachhaltige Entwicklung gewährleistet werden soll.

Familie Winsener Wiesen Süd
Reference No.: 2026-18823
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