Für die Zukunft weiterer Generationen mitplanen
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns als ältere Anwohnerinnen und Anwohner des bestehenden Wohngebietes rund um die Astrid-Lindgren-Straße mit diesem Beitrag an Sie. Viele von uns leben schon sehr lange hier, haben miterlebt, wie unser Ort gewachsen ist, und fühlen uns ihm tief verbunden. Gerade deshalb verfolgen wir die Planungen für das neue Baugebiet mit großer Aufmerksamkeit – und mit nicht unerheblichen Sorgen.
Selbstverständlich wissen wir, dass Wohnraum gebraucht wird. Auch wir haben Kinder und Enkelkinder und sehen, wie schwierig es geworden ist, eine passende Wohnung zu finden. Dennoch sind wir der festen Überzeugung, dass neues Bauen nur dann sinnvoll ist, wenn die bestehenden Strukturen nicht überfordert werden und die Lebensqualität der bisherigen Anwohnerschaft gewahrt bleibt.
Bereits heute ist die Verkehrslage angespannt. Besonders zu den Stoßzeiten – morgens zum Schulbeginn, nachmittags zum Schulschluss sowie im Berufsverkehr – kommt es regelmäßig zu erheblichen Belastungen. Die schmale Astrid-Lindgren-Straße ist schon jetzt stark frequentiert. Parkende Fahrzeuge auf der Straße verschärfen die Situation zusätzlich. Während der Bauphase ist mit erheblichem Baustellenverkehr zu rechnen.
Besonders am Herzen liegt uns daher die Sicherheit der Kinder. Viele Schülerinnen und Schüler sowie Kita-Kinder bewegen sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die betroffenen Straßen. Durch zusätzlichen Baustellenverkehr und später dauerhaft erhöhtes Verkehrsaufkommen steigt das Unfallrisiko aus unserer Sicht erheblich. Wir vermissen ein überzeugendes, realitätsnahes Verkehrskonzept. Die vorgelegten Verkehrszahlen erscheinen uns nicht repräsentativ für die tatsächliche Belastung. Weitere Zufahrtsmöglichkeiten wurden nicht konkret genug betrachtet bzw. aus Kostengründen abgetan.
Von Beginn an war absehbar, dass die Erschließung über die bestehende Astrid-Lindgren-Straße für das gewachsene Wohngebiet eine erhebliche Mehrbelastung bedeutet. Umso unverständlicher ist es für uns, dass mögliche andere Zufahrtsvarianten offenbar frühzeitig verworfen wurden oder zumindest nicht transparent geprüft und gegenübergestellt worden sind.
Gerade bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung erwarten wir, dass verschiedene Erschließungsoptionen sorgfältig untersucht werden – unter Berücksichtigung von Verkehrssicherheit, Lärmbelastung, Bauzeit, langfristigem Verkehrsaufkommen sowie Schutz der bestehenden Wohnqualität. Eine nachvollziehbare Abwägung mit klaren Kriterien ist für uns bislang nicht erkennbar.
Die Konzentration sämtlicher Bau- und späterer Anwohnerverkehre auf eine ohnehin belastete Straße erscheint weder vorausschauend noch gerecht gegenüber den bisherigen Anwohnern. Insbesondere in der mehrjährigen Bauphase würde sich der gesamte Schwerlastverkehr durch ein bestehendes Wohngebiet bewegen – mit allen bekannten Folgen für Sicherheit, Straßenqualität und Lebensqualität.
Wir hätten erwartet, dass alternative Zufahrten – auch wenn sie mit höheren Kosten oder planerischem Mehraufwand verbunden sind – zumindest umfassend geprüft und die Ergebnisse transparent veröffentlicht werden. Kosten allein dürfen aus unserer Sicht nicht das ausschlaggebende Kriterium sein, wenn es um langfristige Sicherheit und Wohnqualität geht.
Wir bitten daher dringend darum, die Prüfung alternativer Erschließungsvarianten erneut aufzugreifen oder zumindest offen darzulegen, aus welchen nachvollziehbaren Gründen diese verworfen wurden. Eine faire und ausgewogene Planung muss die Interessen der bestehenden Bevölkerung ebenso berücksichtigen wie die der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner.
Als ältere Menschen haben wir erlebt, wie sich Wetterlagen verändert haben. Hitzeperioden werden intensiver, Starkregenereignisse häufiger. Jede zusätzliche Flächenversiegelung trägt zur Erwärmung und zu Problemen bei der Wasseraufnahme des Bodens bei. Eine nachhaltige Ortsentwicklung muss daher Klimaresilienz von Anfang an mitdenken. Wir wünschen uns transparente und wirksame Maßnahmen, die über rein formale Mindestanforderungen hinausgehen.
In unseren Gärten beobachten wir bereits heute, dass bei längerem oder starkem Regen das Wasser nur schwer versickert. Angesichts der Nähe zur Elbe und zunehmender Extremwetterereignisse erscheint uns das bisher vorgesehene Entwässerungskonzept nicht ausreichend.
Mit Blick auf den demografischen Wandel möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass nicht nur Familien Wohnraum benötigen. Viele ältere Menschen wünschen sich barrierefreie, altersgerechte Wohnungen, um im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Ein gut durchmischtes Wohngebiet, das sowohl jungen Familien als auch Seniorinnen und Senioren Platz bietet, stärkt das Miteinander der Generationen und entlastet zugleich bestehende Einfamilienhäuser, wenn ältere Menschen in passende Wohnungen umziehen können.
Wir bitten Sie eindringlich, unsere Bedenken im weiteren Verfahren ernsthaft zu prüfen. Eine verträgliche und nachhaltige Entwicklung muss Verkehr, soziale und medizinische Infrastruktur, Klimaaspekte, Entwässerung, Bebauungsdichte und generationengerechtes Wohnen gleichermaßen berücksichtigen.
Wir wünschen uns Transparenz, realistische Planungen und Lösungen, die nicht nur rechnerisch, sondern auch praktisch tragfähig sind – für die heutige und für die kommende Generation.
Mit freundlichen Grüßen
Habermann