Neuer Wohnraum braucht ein Gesamtkonzept für jetzige und künftige Bewohner
Sehr geehrte Planer, Stadträte, sehr geehrter Herr Bürgermeister,
als Anwohner mit Familie im Baugebiet Winsener Wiesen Süd verfolgen wir das neue Projekt sowohl aus der Sicht eines unmittelbar Betroffenen als auch aus systematischer, städtebaulicher Perspektive und haben uns von Beginn an in den Diskussionsprozess eingebracht. Daher möchte ich zunächst feststellen, dass erfreulicher Weise einige Kritikpunkte (wie z.B. die zunächst völlig überzogene Verdichtung) bei der Überplanung im aktuellen Status berücksichtigt wurden, andere sehr wichtige dagegen (bisher) nicht. Daraus resultieren folgende offen Punkte, die mit pragmatischem Blick geprüft und in die Planung eingebracht werden sollten:
A) Verkehrsanbindung: Die vielen Hundert zusätzlichen Fahrbewegungen von Bewohnern, Lieferanten, Entsorgern etc. werden sich nicht gleichmäßig über den Tag verteilen, sondern vor allem in Stoßzeiten zu massiven Belastung führen und bei ausschließlicher Anbindung über die Astrid-Lindgren-Straße (im weiteren A-L.S.) zu Staus/Engpässen führen. Dies gilt insbesondere bei Ausfahrt auf den Gehrdener Deich, bei Einfahrt an der ohnehin kritischen Rechts-Vor-Links Kreuzung mit Winser Baum sowie an der schon jetzt oft neuralgischen ersten 90° Kurve in die A-L.S. . Dazu kommt ein schon heute manchmal kaum zu bewältigender Parcours in die dann von noch mehr fahrenden Autos gesuchten Lücken zwischen auf der A.L.S parkenden Autos. Kritisch erscheint mir daher bei ausschließlicher Anbindung über die A-L.S. auch die Zufahrt/Abfahrt von Rettungsfahrzeugen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Bewohner der Winsener Wiesen Nord durch die Randlage noch eher geneigt sein werden, auch lokale Besorgungen mit dem Auto zu erledigen, also eine höhere mittlere Fahrfrequenz zeigen als es die Verkehrszählung für Winsener Wiesen Süd ergeben hat.
Fazit: Eine Ausschließliche Anbindung über die Astrid-Lindgren-Straße führt zu einer steigenden Gefährdung im Straßenverkehr, einer Belastung von Nutzern und Anwohnern sowie potentiell zu dramatischen Engpässen in der Notfallversorgung. Ein alternative Routenführung ist daher mit Priorität zu prüfen. Sollte es dennoch zu einer ausschließlichen Anbindung über die A-L.S kommen, müssen Halteverbote auf der A-L.S., eine Aufhebung der Rechts-Vor-Links Regelung am Winser Baum sowie eine verbesserte Einfahrt auf den Gehrdener Deich (Ampel oder Kreisel) zur Minimierung der Probleme in das Projekt einbezogen werden.
B) Baustellenverkehr: Es ist völlig inakzeptabel die bereits geschilderte Verkehrssituation auf der Astrid-Lindgren-Straße mehrere Jahre durch hunderte Baufahrzeuge zu belasten (Lärm, Verschmutzung, Gefährdung von Kindern, Engpässe )
Fazit: Der Baustellenverkehr muss (!!) alternativ geführt werden.
C) Parkraum: Bei ideologiefreier Betrachtung und unter Berücksichtigung der mittelfristig stark limitierte Potenziale eventueller Verbesserung im ÖPNV (vor allem für Pendler nach HH) aber auch für Aktivitäten im unmittelbaren Einzugsbereich (Arbeit, weiterführende Schulen, Sport, Arztbesuche, Einkäufe, etc.) ist davon auszugehen, dass das Auto zentrales Mittel der Fortbewegung bleibt und durchschnittlich 1-2 PKW je Wohneinheit unterzubringen sind. Schon heute kann man im südlichen Bereich der Astrid-Lindgren Straße beobachten, dass Mehrfamilienhäuser hier offensichtlich nicht ausreichend mit Parkraum versorgt sind. Dies ist bei dem höher verdichteten Neubaugebiet unbedingt zu berücksichtigen, um Zuparken des Bereichs der Wi-Wi Süd durch Überbestand in Wi-Wi Nord zu verhindern.
Fazit: Die Parkraumplanung muss gerade auch für Mehrfamilienhäuser 2 Plätze je Wohneinheit vorsehen.
D) Versorgung: Zur Stadtplanung gehört auch die Bereitstellung einer gesamthaften Infrastruktur. Es erscheint mir bei Betrachtung von Parkraum in der Innenstadt, Verkehrsfluss (BGS-Kreisel, Aldi-Kreuzung, Wolperding-Kreuzung), überlasteten Ärzten (Teilweise mit Aufnahme-Stop), Kindergärten etc. noch wenig klar, wie die vielen Hundert zusätzlichen Bewohner effektiv und effizient an diesen Themen teilhaben können. Hierzu fehlt bisher jede Aussage in der Planung. Wachstum muss gesamthaft gedacht werden, soll es nicht zu Lasten der Wohnqualität gehen.
Fazit: Vor Beginn einer Vermarktung und Bebauung der Winsener Wiesen Nord sollten auch diese Aspekte berücksichtigt und durch perspektivische Ansiedelung zusätzlicher Ärzte/Geschäfte im Einzugsbereich der Hoopter Straße beantwortet werden.
Als interessierter und betroffener Anwohner sind wir unmittelbar von den Auswirkungen des geplanten Neubaugebiets betroffen und erwarten daher eine umfängliche und vorbehaltlose Prüfung bzw. Berücksichtigung der eingebrachten Fragen/Anregungen/Kritikpunkte, um Leben und Wohnwert für jetzige und künftige Bewohner der Winsener Wiesen dauerhaft attraktiv gestalten zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Anwohner