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Verkehrsführung, Baustellenlogistik und Entwässerung im Baugebiet Winsener Wiesen Nordwest

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchten wir betonen, dass wir die Weiterentwicklung unserer Stadt ausdrücklich begrüßen. Winsen soll wachsen dürfen – bezahlbarer Wohnraum und eine positive Entwicklung sind wichtig für eine lebendige und zukunftsfähige Stadt. Dieses Ziel unterstützen wir ausdrücklich.

Gleichzeitig ist es aus unserer Sicht entscheidend, dass neue Baugebiete so geplant werden, dass bestehende Wohngebiete nicht unverhältnismäßig belastet werden und sich die Entwicklung in einem städtebaulich verträglichen Maß vollzieht.

In diesem Zusammenhang möchten wir folgende Punkte einbringen:

1. Baustellenverkehr über die Astrid-Lindgren-Straße

Die vorgesehene Führung des gesamten Baustellenverkehrs über die Astrid-Lindgren-Straße – voraussichtlich über einen Zeitraum von mehreren Jahren – stellt für eine bestehende Wohnstraße mit Kindern, Schulwegen und gewachsener Nachbarschaft eine erhebliche Belastung dar.

Bereits beim Bau eines größeren Mehrfamilienhauses in unserer Straße konnten wir konkrete Erfahrungen mit schwerem Baustellenverkehr sammeln. Regelmäßig waren 40-Tonner-LKW im Einsatz. Aufgrund der engen Straßenführung mit zwei 90-Grad-Kurven ist die Astrid-Lindgren-Straße nicht dafür ausgelegt, dass sich zwei LKW begegnen können. Es kam wiederholt zu Situationen, in denen sich Fahrzeuge gegenseitig blockierten. In solchen Momenten war weder ein Vorankommen noch ein Ausweichen möglich. Teilweise konnten Anwohner das Wohngebiet weder verlassen noch erreichen. Solche Engstellen führen zu vollständigem Stillstand und bergen zusätzliche Risiken – auch im Hinblick auf Rettungsfahrzeuge.

Auch im normalen Alltag zeigt sich bereits heute, wie begrenzt die Straßenbreite ist. So konnte kürzlich beobachtet werden, dass zwei Müllfahrzeuge, die sich in der Astrid-Lindgren-Straße begegneten, nur mit erheblichem Rangieraufwand aneinander vorbeikamen. Diese Situation verdeutlicht, dass selbst regulärer kommunaler Verkehr bereits an die Grenzen der vorhandenen Straßenstruktur stößt.

Vor diesem Hintergrund bitten wir darum zu prüfen, ob die Astrid-Lindgren-Straße tatsächlich für einen über mehrere Jahre andauernden Baustellenverkehr mit zahlreichen Schwerlastfahrzeugen geeignet ist.

Ein mehrjähriger Baustellenverkehr für ein Baugebiet mit mehreren hundert Wohneinheiten würde die bestehenden Engstellen deutlich verschärfen. Neben den Verkehrsproblemen sind auch regelmäßige Erschütterungen durch Schwerlastverkehr, erhöhte Lärm- und Feinstaubbelastung, eine Gefährdung von Schulkindern auf ihren täglichen Wegen sowie eine erhebliche Beeinträchtigung der Wohn- und Lebensqualität zu erwarten.

Wir bitten daher dringend zu prüfen, ob alternative Lösungen möglich sind. Dazu zählen beispielsweise eine temporäre Baustellenzufahrt über landwirtschaftliche Flächen außerhalb des bestehenden Wohngebietes, eine provisorische externe Baustraße, eine Bauabwicklung in Abschnitten mit wechselnder Zuführung oder eine verpflichtende LKW-Umfahrung, sodass der Schwerlastverkehr nicht durch das bestehende Wohngebiet geführt wird. Solche Lösungen sind bei größeren Baugebieten durchaus üblich und würden die Belastung der Anwohner erheblich reduzieren.

2. Dauerhafte Verkehrserschließung

Auch nach Fertigstellung soll das neue Wohngebiet über die Astrid-Lindgren-Straße erschlossen werden. Bei mehreren hundert zusätzlichen Wohneinheiten führt dies zu einer erheblichen dauerhaften Mehrbelastung für die bestehende Wohnstraße.

Uns ist bewusst, dass eine weitere Entwicklung des Gebietes grundsätzlich vorgesehen war. Gleichwohl stellt sich bei der nun geplanten Größenordnung die Frage, ob eine alleinige Erschließung über die Astrid-Lindgren-Straße langfristig verkehrlich sinnvoll und verträglich ist.

Aus unserer Sicht sollte daher geprüft werden, ob eine geteilte Erschließung möglich ist. Der südliche Bereich könnte weiterhin über die Astrid-Lindgren-Straße angebunden werden, während für den nördlichen Bereich eine zusätzliche Anbindung außerhalb der bestehenden Wohnstraße geschaffen wird.

In diesem Zusammenhang bitten wir zu prüfen, ob eine verkehrliche Verbindung beispielsweise über die Pritzwalker Straße oder über den Wichernweg, der in einen landwirtschaftlichen Weg übergeht, technisch und planungsrechtlich realisierbar wäre. Eine solche Lösung könnte den Verkehr entzerren, die Belastung gerechter verteilen und die Verkehrssicherheit im bestehenden Wohngebiet deutlich erhöhen.

3. Grundwasser- und Entwässerungssituation

Bereits seit der Entwicklung der Winsener Wiesen Süd berichten Anwohner von erhöhtem Grundwasserdruck in angrenzenden Gärten. Vor einer weiteren großflächigen Versiegelung sollte daher besonders sorgfältig geprüft werden, welche Auswirkungen das neue Baugebiet auf die bestehende Entwässerungssituation hat.

Nach den veröffentlichten Unterlagen liegt der Grundwasserstand im Plangebiet teilweise lediglich etwa 0,45 m bis 1,20 m unter Geländeoberkante. In Bereichen mit derart hohem Grundwasserstand sind Versickerungslösungen hydraulisch nur eingeschränkt wirksam, da Niederschlagswasser nicht ausreichend in tiefere Bodenschichten abgeführt werden kann.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit das angestrebte Konzept einer „Schwammstadt“ unter diesen Bedingungen tatsächlich wirksam umgesetzt werden kann. Das Prinzip der Schwammstadt basiert darauf, Niederschlagswasser möglichst lokal aufzunehmen, zwischenzuspeichern und versickern zu lassen. Wenn jedoch die natürlichen Versickerungsmöglichkeiten aufgrund des hohen Grundwasserstands stark eingeschränkt sind, bedarf es aus unserer Sicht einer besonders belastbaren und nachvollziehbaren technischen Lösung.

Wir bitten daher um eine transparente Darstellung, wie die geplante Entwässerungsstrategie unter diesen Bedingungen dauerhaft und sicher funktionieren soll.

Darüber hinaus bitten wir um eine nachvollziehbare Gesamtbetrachtung der Entwässerungssituation unter Einbeziehung aller angeschlossenen Baugebiete. Eine isolierte Bewertung ausschließlich des neuen Baugebietes greift aus unserer Sicht zu kurz, da bestehende Wohngebiete sowie das vorhandene Regenrückhaltebecken bereits miteinander verknüpft sind.

Insbesondere sollte transparent dargelegt werden, wie hoch die aktuelle Auslastung des Regenrückhaltebeckens ist und ob dessen Kapazität auch unter Berücksichtigung von Starkregenereignissen langfristig ausreichend bemessen ist. Eine offizielle, nachvollziehbare Angabe zur tatsächlichen aktuellen Auslastung wurde in den Planunterlagen nicht veröffentlicht.

Zudem bitten wir um Klarstellung, ob bei der Bemessung der Entwässerungsanlagen der aktuellste technische Regelwerksstand zugrunde gelegt wurde. Angesichts zunehmender Starkregenereignisse erscheint es aus unserer Sicht wichtig, dass die Planung dem aktuellen Stand der Technik entspricht.

Nur durch eine transparente und umfassende Betrachtung lässt sich verlässlich ausschließen, dass es künftig zu Überlastungen oder Rückstaueffekten in angrenzenden Bestandsgebieten kommt.Wir hoffen, dass unsere Hinweise und Anregungen bei der weiteren Planung berücksichtigt werden und zu einer ausgewogenen und tragfähigen Lösung für das neue Baugebiet sowie für die bestehenden Wohngebiete beitragen können. 

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen 

Anne Edel  //  Astrid-Lindgren-Straße

Anne Edel
Reference No.: 2026-18893
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