Stellungnahme zum Bebauungsplan Nr. 36 C ‚Winsener Wiesen Nordwest
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Anwohner der Astrid-Lindgren-Straße und damit unmittelbar vom geplanten Baugebiet betroffene Person möchte ich im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan Nr. 36 C „Winsener Wiesen Nordwest“ einige Anregungen und Bedenken vorbringen.
Vorab möchte ich betonen, dass ich eine grundsätzlich behutsame Weiterentwicklung der Stadt Winsen und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum nicht ablehne. Allerdings erscheint mir die aktuell geplante Dimension und Ausgestaltung des Baugebiets in mehreren Punkten problematisch und nicht ausreichend auf die vorhandene Struktur der angrenzenden Wohngebiete abgestimmt.
Ein zentraler Punkt betrifft die geplante Verkehrserschließung über die Astrid-Lindgren-Straße. Bereits heute ist insbesondere der Kurvenbereich kurz vor der Einmündung in den Michael-Ende-Weg problematisch und unübersichtlich. Dort kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen und auch zu Unfällen. Eine zusätzliche Verkehrsbelastung durch rund 300 neue Wohneinheiten würde diese Situation aus Sicht vieler Anwohner deutlich verschärfen.
Insbesondere zu den typischen Pendlerzeiten ist bereits heute ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu beobachten. Durch mehrere hundert zusätzliche Bewohner sowie den damit verbundenen Besucher-, Liefer- und Pendlerverkehr wäre mit einer weiteren deutlichen Belastung der bestehenden Wohnstraßen zu rechnen. Die Astrid-Lindgren-Straße ist als Wohnstraße ursprünglich nicht für ein Verkehrsaufkommen dieser Größenordnung ausgelegt.
Hinzu kommt der Baustellenverkehr während der mehrjährigen Bauphase. Schwerlastverkehr und Baustellenfahrzeuge würden voraussichtlich über die bestehenden Wohnstraßen geführt werden und könnten sowohl die Straßeninfrastruktur als auch die Lebensqualität der Anwohner erheblich beeinträchtigen.
Vor diesem Hintergrund sollte aus meiner Sicht geprüft werden, ob eine alternative Verkehrserschließung – beispielsweise über die Bodelschwingh Straße – möglich und sinnvoll wäre. Dort besteht bereits heute ein höheres Verkehrsaufkommen, sodass eine zusätzliche Anbindung möglicherweise besser in die vorhandene Verkehrsstruktur integriert werden könnte.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die geplante Größe des Baugebiets. Mit etwa 304 Wohneinheiten und teilweise mehrgeschossiger Quartiersbebauung erscheint die geplante Dichte für diesen Standort sehr hoch. Die angrenzenden Wohngebiete sind überwiegend durch Einfamilienhäuser, Doppelhäuser und Reihenhäuser geprägt. Eine deutlich dichtere und höhere Bebauung würde daher das bestehende Ortsbild stark verändern.
Die geplante Dimension wirkt aus meiner Sicht eher wie die Entwicklung eines eigenständigen neuen Quartiers als wie eine behutsame Erweiterung der bestehenden Wohngebiete. Dadurch entsteht eine deutliche städtebauliche Zäsur, die sich nur schwer in die vorhandene Struktur integrieren lässt.
Rechnet man mit durchschnittlich etwa drei Personen pro Wohneinheit, könnte das Baugebiet langfristig rund 900 zusätzliche Einwohner bedeuten. Dies wirft aus meiner Sicht berechtigte Fragen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der vorhandenen Infrastruktur auf. Bereits heute stehen Kindertagesstätten, Schulen, medizinische Versorgung sowie Freizeitangebote in Winsen teilweise unter erheblichem Druck. Es sollte daher geprüft werden, ob die vorhandenen Kapazitäten einen solchen zusätzlichen Bevölkerungszuwachs in angemessener Weise aufnehmen können.
Darüber hinaus sollte aus meiner Sicht auch die langfristige Entwicklung der Wohnraumnachfrage berücksichtigt werden. Winsen ist in vielerlei Hinsicht eine klassische Pendlerstadt im Einzugsbereich von Hamburg. In den vergangenen Jahren sind viele Menschen aufgrund der stark gestiegenen Immobilienpreise aus Hamburg in das Umland gezogen. Sollte sich die wirtschaftliche Entwicklung oder die Situation auf dem Immobilienmarkt verändern, ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich diese Dynamik wieder abschwächt oder teilweise umkehrt.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, neue Baugebiete mit Augenmaß zu entwickeln und eine zu starke Verdichtung an einzelnen Standorten zu vermeiden. Eine maßvollere Entwicklung würde es ermöglichen, die Nachfrageentwicklung langfristig besser zu berücksichtigen und gleichzeitig die gewachsenen Strukturen der bestehenden Wohngebiete zu erhalten.
Aus meiner Sicht wäre daher eine Bebauung sinnvoll, die sich stärker an der vorhandenen Struktur der angrenzenden Wohngebiete orientiert – also überwiegend Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser – und gleichzeitig die Gesamtzahl der Wohneinheiten reduziert.
Zusammenfassend bitte ich daher darum, im weiteren Planungsverfahren insbesondere folgende Punkte zu prüfen:
– eine alternative Verkehrserschließung, z. B. über die Bodelschwinghstraße
– eine kritische Überprüfung der geplanten Anzahl der Wohneinheiten
– eine Bebauungsstruktur, die sich stärker an der vorhandenen Umgebung orientiert
– eine umfassende Untersuchung der Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur.
Ich bitte darum, die genannten Punkte im weiteren Verfahren im Rahmen der bauplanungsrechtlich vorgesehenen Abwägung gemäß § 1 Abs. 7 Baugesetzbuch sorgfältig zu berücksichtigen. Gerade die Auswirkungen auf das bestehende Wohngebiet entlang der Astrid-Lindgren-Straße, insbesondere hinsichtlich Verkehr, Dimension der Bebauung und Infrastrukturbelastung, sollten dabei angemessen gewichtet werden.
Winsen zeichnet sich durch eine hohe Lebensqualität und gewachsene Wohnstrukturen aus. Es wäre wünschenswert, wenn neue Baugebiete diese Qualitäten respektieren und sich behutsam in das bestehende Stadtbild einfügen.
Mit freundlichen Grüßen