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Vorhandene Potenziale adäquat nutzen

Wir befürworten die Schaffung von neuem Wohnraum für bis zu 1.000 Mitbürger als wichtigen Meilenstein für die Entwicklung von Winsen (Luhe). Als Anwohner setzen wir uns für eine Planung ein, die nicht nur Wohnraum schafft, sondern die Infrastruktur dieses völlig neuen Stadtquartiers auch verantwortungsvoll in das bestehende Stadtgefüge integriert. Dazu ist es erforderlich, dass die Planung auf transparenten Verkehrsgutachten basiert, die wesentliche Belastungsfaktoren und bereits vorhandene Ressourcen berücksichtigen. Im Sinne einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung mit dem Anspruch an die Erhaltung der geschaffenen und gewünschten Lebensqualität der Einwohner in Winsen, sind die Transparenz und die damit verbundene Interpretation und Abwägung jedoch aus unserer Sicht zu präzisieren:

Zentraler Aspekt unserer Kritik ist die geplante Erschließung von 304 Wohneinheiten ausschließlich über die Astrid-Lindgren-Straße (ALS). Es handelt sich hierbei nicht um eine organische Nachverdichtung, sondern um die Schaffung eines autonomen Quartiers. Die Astrid-Lindgren-Straße ist jedoch als beruhigte Wohnstraße konzipiert und erfüllt diese baulichen Voraussetzungen (u.a. enge Kurvenführung) nicht, was u.a. auch vor der dort ansässigen KiTa Kunterbunt an der einzigen Ein- und Ausfahrt zur ALS zu nicht vertretbaren Sicherheitsrisiken führt. Ohne eine spezifische Sicherheitsanalyse nach FGSV-Standard bleibt die Planung an diesem sensiblen Punkt fachlich unvollständig. Zu Ergänzen ist die derzeit nicht ersichtliche Wirkung auf die Barrierefreiheit und Zugänglichkeit in Bezug auf mögliche Rettungseinsätze in der ALS und den angeschlossenen Nebenstraßen. Zudem wurde in 2022 ein Verkehrsgutachten angefertigt, was aufgrund von Sondereffekten nach Corona und dem Zeitpunkt der Messung zu verkehrsarmen Zeiten als nicht repräsentativ gewertet werden kann.

Besonders widersprüchlich erscheint die Position, die Hoopter Straße (K1) nicht stärker einzubinden. Für das benachbarte Gebiet „Am Luhedeich / Alte Gärtnerei“ wurde seitens der Stadtbauplanung in 2020 öffentlich auf Basis eines Verkehrsgutachtens artikuliert, dass die dort prognostizierten 700 Kfz-Bewegungen am Tag für die Kapazität der K1 unerheblich seien. Wenn diese Größenordnung auf der K1 offiziell als unproblematisch eingestuft wird, ist es fachlich nicht konsistent, warum eine Teil-Erschließung der „Winsener Wiesen“ über dieselbe Verkehrsader abgelehnt wird. Zudem ist zu erwarten, dass der Baustellenschwerverkehr zur Erschließung des Gebiets am Luhedeich bis zur Bebauung des Gebiets Winsener Wiesen Nordwest weitestgehend reduziert sein wird. Fazit: Die Kapazitäten sind laut behördlicher Einschätzung vorhanden; sie für unser Quartier nicht zu nutzen, belastet die Astrid-Lindgren-Straße einseitig und völlig vermeidbar.

Diese Einseitigkeit wird auch durch die vorliegenden Daten zur Verkehrsqualität untermauert. Ein Gutachten selbst belegt, dass die Anbindung über die Astrid-Lindgren-Straße an den Gehrdener Deich bereits heute nur die Qualitätsstufe C erreicht. Im Gegensatz dazu würde eine duale Erschließung über die seit über zehn Jahren öffentlich finanzierte und bereitstehende Pritzwalker Straße via K1 die Note QSV A garantieren. Es ist ökonomisch und planerisch unverständlich, eine lediglich ausreichende Lösung zu erzwingen, wenn die Infrastruktur für eine exzellente Verkehrsqualität bereits bezahlt vorliegt. Zudem: Werden Schäden an der ALS (Substanzverlust durch Schwerlast) bereits hinreichend eingepreist? Schließlich muss die jahrelange Bauphase in den Blick genommen werden, die im aktuellen Gutachten vollständig ignoriert wird. unzählige Schwerlastfahrten über eine zu schmale Wohnstraße abzuwickeln, ist bautechnisch riskant und den Anwohnern nicht zumutbar. Unter Verweis auf die behördlich konstatierte Belastbarkeit der K1 bitte wir daher um die Prüfung einer separate Baustraße über den Wichernweg. Die Sanierung der ALS nach 5 Jahren Bauzeit ist teurer als eine temporäre Baustraße bzw. dauerhafte hälftige Verteilung des Anwohner- und Lieferverkehrs.

Nur durch die Integration der dualen Erschließung und einer eigenständigen Baustellenlogistik lässt sich dieses Großprojekt im Konsens mit den Bürgern realisieren und die planerische Kohärenz der Stadt Winsen wahren. Dies muss doch auch das Anliegen der verantwortlichen Ratsmitglieder sein.

Anwohner WWS
Reference No.: 2026-18900
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