6.5 Kulturell Verbundene / Kulturelnje zwězane
Kulturell Verbundene fühlen sich dem Sorbischen zugehörig – durch Brauchtumspflege, Tracht, Musik, Vereinsarbeit, kulturelles Engagement oder der eigenen Familiengeschichte – ohne zwingend die Sprache zu sprechen oder zu lernen. Sie sind zahlenmäßig eine relevante Gruppe und besitzen als Multiplikator:innen und Netzwerkmitglieder erheblichen Einfluss auf die Sichtbarkeit und das Prestige des Sorbischen.
Kulturell Verbundene sollten in der Sprachstrategie nicht übergangen werden, aber auch nicht überfordert: Sprachliche Kompetenz ist keine Bedingung für sorbische Identität, und die Strategie sollte dies respektieren. Gleichzeitig bietet das bestehende Interesse an Kultur einen natürlichen Einstieg in den Sprachkontakt: Sprachelemente, die in kulturellen Kontexten auftreten – Liedtexte, Grußformeln, Bezeichnungen für Bräuche oder Orte – können als Brücke wirken, ohne dass ein explizites Lernangebot aufgedrängt wird.
Das Potenzial dieser Gruppe liegt vor allem darin, dass sie die soziale Sichtbarkeit des Sorbischen stärkt und normalisiert. Vereinsaktivitäten, Festivals und Kulturveranstaltungen, die sorbische Sprache als selbstverständliches Element einbinden, erhöhen das Prestige und die Alltagspräsenz.