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Standort des Brunnens nicht verändern!

Dem Einwand von Michael Thelosen (12. 6. 2026) gegen eine Versetzung des Brunnens ist voll und ganz zuzustimmen. Der Brunnen ist von Franz Gutmann, einem der bedeutendsten Brunnengestalter seit den 1960er Jahren (s. Franz Joseph van der Grinten: Franz Gutmanns Brunnen, Freiburg im Breisgau 1977), für den Kranenburger Marktplatz konzipiert worden; alle seine Brunnenentwürfe sind standortbezogen. Anders als ein transportables Kunstwerk darf ein Kunstwerk, das für einen bestimmten Standort geschaffen worden ist, nicht ohne Zustimmung des Künstlers versetzt werden. Es gilt § 14 Urhebergesetz. Dazu gibt es einschlägige höchstrichterliche Rechtsprechung (vgl. OLG Hamm, Az.: 4U51/01, verkündet am 12.7.2001). Nun also - nachdem Gutmann vor knapp zwei Jahren (14.8.2024) im heimatlichen Schwarzwald verstorben ist - soll der Brunnen versetzt werden; das Urheberrecht erlischt aber erst 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers… Oder hat die Gemeinde noch die Zustimmung des Künstlers bzw. seiner Erben eingeholt?Die Kranenburgerinnen und Kranenburger sollten stolz sein, das Werk eines bedeutenden Künstlers an einem prominenten Standort im Ortskern zu besitzen, auch wenn es in der technoiden Anmutung des zylinderförmigen Wasserspeiers und in der formalen Strenge der archaisch wirkenden Rinderköpfe nicht jedermanns Geschmack trifft. Rinder gehören zur niederrheinischen Weidelandschaft, während die für diese Gegend untypischen langen Hörner etwa auf das altägypische Langhornrind deuten könnten; in Ägypten beendete Gutmann seine Afrikareise 1956/57. Vor der Durchquerung des Kontinents hatte er sich mehrere Monate bei Albert Schweitzer in Lambarene aufgehalten, dessen ethische Leitidee „Ehrfurcht vor dem Leben“ den Bauernsohn aus dem Münstertal stark beeindruckte.  Der Marktplatz ist zwar erst im Zuge des Wiederaufbaus nach dem II. WK angelegt worden, aber ein Brunnen (und kein Wasserspiel) gehört von alters her zu einem Marktplatz. Der Brunnen sollte in den vorgesehenen „Bachlauf“ am Marktplatz integriert werden. - In Freiburg gibt es übrigens einen Brunnen, den Gutmann 1977 als Teil der Bächle gestaltet hat.

Mit Sicherheit ist eine leichte Planänderung, die den Brunnen in die Platzgestaltung integriert (er wäre auch allegorisch ein passendes Pendant zu dem geplanten solitären „Wir“-Baum, was hier nicht näher ausgeführt werden kann), eine preiswertere Lösung als die Versetzung von tonnenschwerem Wasserspeier und Brunnenbecken an einen anderen Standort, wo zudem ein neues Fundament sowie Wasser- und Elektroanschlüsse (für die Pumpe) geschaffen werden müssten. Die Kosten einer Brunnenversetzung sind meines Wissens bei den Plänen der Neugestaltung  von Großer Straße und Marktplatz überhaupt noch nicht berücksichtigt worden…

Zu erinnern ist an das ‚Schicksal‘ des  „Toten Kriegers“ von Ewald Mataré, (bei dem Gutmann - wie seine Freunde Beuys und Heerich - in den frühen 1950er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie Schüler war): 1934 wurde die liegende Steinfigur für das ( zerstörte) Klever Kriegerdenkmal (gegenüber dem heutigen Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) geschaffen - um sie  dann 1938 als ‚entartet‘ auf einem städtischen Grundstück zu vergraben. 1977 wurden die stark beschädigte Figur wiederentdeckt, restauriert und dann - recht unscheinbar und beliebig - unter Bäumen vor der Klever Stiftskirche ‚abgelegt‘. 

Busso Diekamp

Busso Diekamp
Reference No.: 2026-19342
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