2.1 Sprachliche Charakteristik und Geschichte / Rěcna charakteristika a rěcne stawizny
Niedersorbisch (dolnoserbšćina) ist eine westslawische Sprache und gehört zusammen mit dem Obersorbischen zur sorbischen Untergruppe innerhalb des westslawischen Zweigs der slawischen Sprachfamilie. Sie ist eng mit dem Polnischen, Slowakischen und Tschechischen verwandt und bildet gemeinsam mit dem Obersorbischen die einzigen erhaltenen autochthonen westslawischen Sprachen auf heutigem deutschem Territorium.
Die slawische Besiedlung der Lausitz geht auf das 7. Jahrhundert zurück. Seit dem Mittelalter wurde das Siedlungsgebiet durch Kolonisierung und Assimilationsdruck sukzessive verkleinert. Im Laufe des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts – beschleunigt durch Industrialisierung, politische Unterdrückung im Nationalsozialismus und die weitgehend assimilationistische Schulpolitik ab den 1960er Jahren – zog sich die Sprachgemeinschaft weiter zusammen. Die jüngste Phase der Deindustrialisierung nach 1990 war mit Abwanderung und sozialem Wandel verbunden, der die Sprachsituation weiter belastete.
Sprachlich zeichnet sich das Niedersorbische durch eine eigenständige Grammatik, ein eigenes Lautsystem und einen Wortschatz aus, der sich auch vom Obersorbischen unterscheidet. Es existiert eine kodifizierte niedersorbische Schriftsprache. Das Niedersorbische ist gut dokumentiert: Digitale niedersorbische Sprachressourcen und -korpora, insbesondere das Niedersorbisch-Deutsche Wörterbuch (DNW) und grammatische Referenzwerke bilden die Grundlage für Unterricht sowie für die sprachliche Orientierung und Normierung. Die Kodifizierung wird fortlaufend durch die Niedersorbische Sprachkommission weiterentwickelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; Fragen der Korpusplanung – Wortneuschöpfungen (Neologismen), Fachterminologie, digitale Normierung – sind nach wie vor aktiver Forschungsgegenstand.