2.4 Verhältnis zum Obersorbischen / Poměr k górnoserbšćinje
Das Obersorbische (hornjoserbšćina) wird in der Oberlausitz (Freistaat Sachsen) gesprochen und weist eine deutlich größere Sprachgemeinschaft als das Niedersorbische auf. Trotz enger sprachlicher Verwandtschaft bestehen grammatikalische und lexikalische Unterschiede. Niedersorbisch und Obersorbisch sind eigenständige Schriftsprachen mit je eigener Normierung. Als Oberbegriff wird aus ober- und niedersorbischer Sicht "Sorbisch” verwendet. Allerdings ist die Wahrnehmung sehr verbreitet, dass mit Sorbisch nur Obersorbisch gemeint sei, so dass in der Niederlausitz auch öfter Niedersorbisch, Sorbisch/Wendisch oder Wendisch benutzt werden.
Die gemeinsame institutionelle Infrastruktur (Stiftung für das sorbische Volk, Domowina mit dem WITAJ-Sprachzentrum und weitere sorbische/wendische Institutionen) verbindet die Sprachgemeinschaften organisatorisch. Im medialen oder Bildungsbereich gibt es hingegen kaum gemeinsame Räume mit beiden Sprachen. Die vorliegende Strategie bezieht sich ausschließlich auf das Niedersorbische in Brandenburg. Wo Synergien mit der obersorbischen Sprachpolitik bestehen und strategisch zu nutzen sind – etwa in der Lehramtsausbildung, Digitalisierung oder gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit –, werden diese explizit benannt.