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4.5 Schwächen und Risiken / Słabosći a rizika

Gleichzeitig bestehen erhebliche strukturelle Defizite und Risiken.

Fehlende Alltagssprachräume: Außerhalb von Schule und einigen Kulturveranstaltungen gibt es kaum Kontexte, in denen Niedersorbisch im Alltag spontan und ohne besonderen Aufwand gesprochen werden kann. Neue Sprecher:innen berichten von sozialen Hemmnissen: Das Sorbischsprechen im Beisein deutschsprachiger Personen wird als potenziell ausgrenzend wahrgenommen – ein sozialer Determinismus, der aktive Sprecher:innen in der Öffentlichkeit verstummen lässt (Melcher 2024).

Demografischer Wandel und Abwanderung: Das Siedlungsgebiet ist von Abwanderung – vor allem junger und gebildeter Menschen – betroffen. Umsiedlungen infolge des Braunkohleabbaus haben historisch sorbisch geprägte Gemeinden aufgelöst. Beide Prozesse schwächen die demografische Basis der Sprachgemeinschaft dauerhaft. 

Institutionelle Fragmentierung: Es fehlt eine koordinierende Instanz, die die Vielzahl der Akteur:innen auf gemeinsame Ziele ausrichtet, Doppelstrukturen abbaut und für Kohärenz der Maßnahmen sorgt.

Akademisierung der Sprachgemeinschaft: Die existierende sorbische Bildungslandschaft begünstigt eine Akademisierung und sozio-ökonomische Homogenisierung der Sprachgemeinschaft. Für die Revitalisierung der Sprache ist es existenziell, dass nicht nur Akademiker:innen Sprecher:innen sind und werden können, da bestimmte Sprachräume (z. B. in Gastronomie, Dienstleistungssektor und Kreativwirtschaft) ansonsten nicht etabliert und gesellschaftlich getragen werden können.

Fehlende Daten: Für eine evidenzbasierte Sprachplanung fehlen wesentliche Grundlagen: personenbezogene Bildungsverläufe, systematische Erhebungen zur Sprachnutzung in verschiedenen Domänen und validierte Informationen über Zusammensetzung und Entwicklung der Neusprecher:innengemeinschaft.

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