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4.6 Szenarien: Was passiert ohne und mit verstärkten Maßnahmen?/Scenarije: Co se stanjo...

Die sprachplanungsrelevante Forschung erlaubt Modellierungen zur künftigen Entwicklung der Sprachgemeinschaft. Vereinfacht lassen sich zwei Szenarien unterscheiden.

Im Basisszenario (Fortführung des Status quo, ca. 20 neue aktive Sprecher:innen durch Bildung pro Jahr) würde die Zahl aktiver Sprecher:innen des Niedersorbischen bis 2100 auf unter 2.000 moderat steigen – bei jedoch gleichzeitiger weiterer Alterung der Gemeinschaft, schwindender Alltagsrelevanz und fortgesetzter Abhängigkeit von institutioneller Förderung. Eine selbsttragende, lebendige Alltagssprache wäre unter diesen Bedingungen nicht erreichbar.

Im Zielszenario (intensive Maßnahmen, ca. 100 neue aktive Sprecher:innen durch Bildung und Aktivierung pro Jahr) könnte die Gemeinschaft bis 2100 auf ca. 5.000 aktive Sprecher:innen wachsen. Dieses Szenario setzt eine Verdreifachung bis Verfünffachung der Bildungsintensität und den Aufbau robuster außerschulischer Sprachräume voraus. Es ist ambitioniert, aber auf der Basis internationaler Vergleichsfälle erreichbar – insbesondere wenn der Paradigmenwechsel von der Spracherwerbs- zur Sprachgebrauchsplanung   vollzogen wird (Kostiučenko 2025 /AP 10; Kostiučenko et al. 2026/AP11; Běrinkowa & Laschewski 2025/AP9).

Die Strategie orientiert sich am Zielszenario. Es bildet den Rahmen für die in Kapitel 5 formulierten langfristigen Ziele.

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