Vision und Ziele / Wizija a zaměry
5.1 Die gemeinsame Vision / Zgromadna wizija
Niedersorbisch lebt – Dolnoserbšćina jo žywa.
Niedersorbisch ist im Jahr 2100 eine lebendige Alltagssprache, die in der Familie weitergegeben wird, im Beruf und in Behörden genutzt werden kann und im öffentlichen Leben der Niederlausitz sichtbar und hörbar ist. Die Sprachgemeinschaft ist vielfältig und offen: Sie umfasst Menschen, die mit der Sprache aufgewachsen sind, ebenso wie solche, die sie als Erwachsene erworben haben. Sie ist selbsttragend – in dem Sinne, dass die notwendigen Institutionen, Ressourcen und sozialen Netzwerke dauerhaft bestehen und nicht von Außenstehenden am Leben erhalten werden müssen.
Diese Vision ist keine Rückkehr zu einem vergangenen Zustand. Die Sprachgemeinschaft des 21. Jahrhunderts wird anders aussehen als die sorbische Dorfgemeinschaft früherer Jahrhunderte. Sie wird (auch?) urban und digital sein, wird von Neusprecher:innen mitgeprägt werden, und in einer multikulturellen und mehrsprachigen Lausitz verankert sein. Diese Offenheit ist eine Stärke, keine Schwäche.
Die Verwirklichung dieser Vision erfordert das Zusammenwirken dreier Bereiche: einer wachsenden demografischen Basis aktiver Sprecher:innen, eines gestärkten gesellschaftlichen Status der Sprache sowie einer dauerhaft institutionell verankerten Sprachplanung (Běrinkowa, Laschewski & Rädel 2026).