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SROKA - Serbske rěcne planowanje

Niedersorbisch wurde aus vielen Lebensbereichen zurückgedrängt. Damit die Sprache in Zukunft wieder hör- und sichtbarer wird, sammeln wir hier eure Ideen.

Text diskutieren: Zielgruppen der Sprachstrategie (Kapitel 6) / Cilowe kupki rěcneje strategije

Diskutěruj z nami cilowe kupki rěcneje strategije za dolnoserbšćinu! Hier kannst du mit uns über die Zielgruppen der Strategie für die niedersorbische Sprache diskutieren.

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How namakajoš naše naraźenja za te cilowe kupki rěcneje rewitalizacije w Dolnej Łužycy. To jo za nas wutšoba strategije a comy kupkam pón napšawy pśirědowaś. Móžoš twóje myslenja, ideje a komentary rad pśidaś! Die Zielgruppen sind das Herz der Strategie und du findest hier unseren Vorschlag dazu!

6. Zielgruppen / Cilowe kupki

Sprachpolitik ist nur dann wirksam, wenn sie die realen Bedarfe und Potenziale der Menschen kennt, die sie ansprechen will. Dieses Kapitel beschreibt die sieben Zielgruppen, auf die die Maßnahmen der Strategie ausgerichtet sind. Die Gruppen sind nicht trennscharf; eine Person kann mehreren Gruppen angehören oder im Laufe des Lebens zwischen ihnen wechseln. Die Zielgruppenstruktur folgt einem dynamischen Modell: Ziel ist es, Menschen auf einem Kontinuum von Berührung über Interesse und Lernen hin zu aktivem Sprechen zu begleiten.

6.1 Aktiv Sprechende / Aktiwnje powědajuce

Aktiv Sprechende nutzen Niedersorbisch regelmäßig – mindestens wöchentlich – in mindestens einem Lebensbereich. Sie sind der Kern der Sprachgemeinschaft und zugleich die wichtigste lebendige Ressource für alle anderen Zielgruppen: Ohne aktive Sprecher:innen fehlen Vorbilder, Interaktionspartner:innen und die soziale Legitimation des Sprachgebrauchs.

Die Gruppe ist heterogen. Sie umfasst ältere, traditionell sozialisierte Sprecher:innen ebenso wie  Neusprecher:innen mittleren Alters und jüngere der Witaj-Generation, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte, Mitarbeiter:innen sorbischer Institutionen, Journalist:innen und Kulturschaffende sowie die Familien, die Niedersorbisch intergenerationell weitergeben. In der Menge aktiver Sprecher:innen sind die professionellen Domänen (Schule, Medien, Institutionen) überrepräsentiert; der Anteil der Sprecher:innen, die die Sprache im privaten und informellen Alltag nutzen, ist kleiner.

Aktiv Sprechende sind auf soziale Verstärkung und Vernetzung angewiesen. Eine Sprache, die nur in institutionellen Kontexten gesprochen wird, verliert die Lebendigkeit und Spontaneität, die sie für neue Sprecher:innen attraktiv macht. Bestehende Netzwerke – wie im kirchlichen Umfeld, bei Kultur- und Brauchtumspflege, in einigen Vereinen und das Zorja-Sprachnest – zeigen, wie wichtig niedrigschwellige, informelle Sprachräume auch für bereits Sprechende sind.

Ein zentrales Hemmnis ist der soziale Druck in gemischten Situationen: Aktive Sprecher:innen berichten, dass sie in Anwesenheit deutschsprachiger Personen auf Deutsch wechseln, um niemanden auszuschließen. Diese erlernte Selbstbeschränkung untergräbt die Sichtbarkeit der Sprache und signalisiert Nichtsprechenden fälschlicherweise, dass Sorbisch keine Alltagssprache ist. Die Strategie muss Räume schaffen und Normen etablieren, in denen das Sorbischsprechen auch in gemischten Gruppen als selbstverständlich und einladend wahrgenommen wird.

Für Lehrkräfte und Erzieher:innen als professionelle Sprecher:innen bestehen spezifische Bedarfe: Fortbildung, Entlastung, fachlicher Austausch und Unterstützung durch aktuelle Unterrichtsmaterialien.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichFamilien mit Sprachtransmission    Senioren / traditionelle Sprecher:innen    Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte    Professionelle Sprecher:innen (Medien, Kultur, Verwaltung, Forschung)    Sprecher:innen außerhalb des Siedlungsgebietes    

6.2 Aktiv Lernende / Aktiwnje wuknjece

Aktiv Lernende erwerben Niedersorbisch derzeit in formellen oder informellen Kontexten. Sie sind die zahlenmäßig größte Gruppe im sprachplanerischen Sinne und der wichtigste Kanal für die Gewinnung neuer aktiver Sprecher:innen.

Diese Gruppe umfasst Lernende in WITAJ-Kitas und Grundschulen, Schüler:innen in den Sekundarstufen (Oberschule, Gesamtschule, Gymnasium), Studierende an BTU und Universität Leipzig, Auszubildende und Berufseinsteigende sowie Erwachsene, die sich in informellen Kontexten – Sprachkursen, der sotra-App, dem Zorja-Netzwerk – das Niedersorbische aneignen. Das gemeinsame Merkmal dieser Gruppe ist die aktive Lerndisposition: Sie haben sich selbst entschieden, Zeit und Mühe in den Spracherwerb zu investieren.

Das zentrale Bedürfnis aktiv Lernender ist eine durchgängige Bildungskette ohne strukturelle Abbrüche. Jeder erzwungene Wechsel des Formats, des Niveaus oder der Lernumgebung – insbesondere beim Übergang von der Kita zur Grundschule und von der Grundschule zur weiterführenden Schule – führt zu Teilnahmeverlusten, die kaum wieder aufgeholt werden. Eine verbindliche Anschlussgarantie an allen Übergängen ist strategisch prioritär.

Jenseits der Schule brauchen Lernende authentische Nutzungskontexte: Situationen, in denen sie das Gelernte ohne Leistungsdruck anwenden können. Sichere Sprachräume (Běrinkowa & Laschewski 2025/AP9) – niedrigschwellige soziale Begegnungsräume, in denen partielle Kompetenz willkommen ist – sind für diese Gruppe besonders wichtig.

Für erwachsene Lernende sind Flexibilität (zeitlich, räumlich, digital), realistische Ziele und Erwartungen, Unterstützung auf dem Weg zur Erreichung des selbst gesteckten Zieles (v. a. durch Vernetzung in und mit der Community) und klare Nutzenperspektiven entscheidend: Wo kann ich Niedersorbisch nutzen? Welche Türen öffnet die Sprache? Diese Frage muss die Strategie überzeugend beantworten.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichSchüler:innen Grundschule (WITAJ)    Schüler:innen Sekundarstufe I     Schüler:innen Sekundarstufe II    Studierende    Auszubildende / Berufseinsteigende    Erwachsene     

6.3 Passiv Sprechende / Pasiwnje powědajuce

Passiv Sprechende haben Niedersorbisch gelernt – in der Kita, der Schule, als Erwachsene oder durch familiäre Sozialisation – nutzen es aber derzeit nicht aktiv. Sie können die Sprache verstehen und wären bei entsprechender Unterstützung in der Lage, sie wieder aktiv zu sprechen. Diese Gruppe ist oft unsichtbar in der Sprachplanung, aber sie stellt eines der größten ungenutzten Potenziale der Revitalisierung dar.

Zur Gruppe gehören vor allem Absolvent:innen des WITAJ-Programms, die nach dem Schulabschluss keine Nutzungskontexte mehr finden; ältere Personen, die in ihrer Kindheit oder anderen Lebensabschnitten Sorbisch gesprochen haben und die Sprache durch Assimilationsdruck oder andere Gründe aufgaben; sowie Schulabgänger:innen, die nach dem Übergang in weiterführende Schulen ohne Sorbischangebot oder Wegbrechen des bestehenden Sorbischangebotes den Kontakt verloren haben.

Passiv Sprechende benötigen keine vollständig neuen Lernangebote, sondern Reaktivierungsformate – kurze, intensive Angebote, die an vorhandene Kenntnisse anknüpfen und den Wiedereinstieg erleichtern. Entscheidend ist dabei das Fehlen von Leistungserwartungen: Viele Passiv Sprechende schrecken vor aktiver Nutzung zurück, weil sie fürchten, Fehler zu machen oder nicht mehr „gut genug" zu sein. Sichere Sprachräume  sind für diese Gruppe das wichtigste Format.

Das strategische Potenzial dieser Gruppe ist erheblich: Eine erfolgreiche Reaktivierung auch nur eines Teils der Witaj-Absolvent:innen würde die Zahl aktiver Sprecher:innen signifikant erhöhen, ohne den langen Weg des Neuerwerbens gehen zu müssen.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichWitaj-Generation (junge Erwachsene mit passiven Kenntnissen)    Ältere mit früheren Kenntnissen    Ehemalige Schüler:innen (Abbruch nach Kl. 6)    

6.4 Interessierte Neulinge / Zajmowane nowacki

Interessierte Neulinge haben (noch) keine nennenswerten Kenntnisse des Niedersorbischen, zeigen aber Interesse – an der Sprache, der Kultur oder der Region. Sie kommen aus sehr unterschiedlichen Ausgangslagen: Kinder und Jugendliche im Siedlungsgebiet, die bislang keinen Zugang zu sorbischer Sprache hatten; Zugezogene, die sich in ihrer neuen Heimat orientieren; Menschen mit sorbischen Vorfahren, die nach ihrer Herkunft suchen; und Menschen aller Altersgruppen, die durch kulturelle Ereignisse, Medien oder persönliche Begegnungen auf das Sorbische aufmerksam geworden sind.

Für diese Gruppe ist der erste Kontakt entscheidend. Ein positiver, einladender und authentischer Erstkontakt – sei es durch eine Kulturveranstaltung, Brauchtums- und Traditionspflege, eine Begegnung mit einer:m Sprecher:in, eine App oder ein Schulprojekt – kann den Anstoß geben, den Weg zum Lernen und schließlich zum Sprechen zu beginnen. Ein negativer oder abweisender Erstkontakt hingegen kann dauerhaft abschrecken.

Interessierte Neulinge brauchen klare, niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten und eine verständliche Antwort auf die Frage: Wie komme ich zum Niedersorbischen? Sie benötigen keine Leistungserwartungen und keine kulturelle Pflichtmitgliedschaft – Interesse und Offenheit sind ausreichend.

Zugezogene bilden eine besondere Teilgruppe: Als neue Bewohner:innen des Siedlungsgebiets begegnen sie dem Sorbischen als regionalem Merkmal. Eine einladende, informative Willkommenskultur, die Sorbisch als positives Identitätsmerkmal der Lausitz vermittelt, kann diese Gruppe zu Unterstützer:innen oder sogar Lernenden machen.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichKinder/Jugendliche ohne bisherigen Sorbischzugang    Zugezogene    Erwachsene mit sorbischen Wurzeln ohne aktive Kenntnisse    

6.5 Kulturell Verbundene / Kulturelnje zwězane

Kulturell Verbundene fühlen sich dem Sorbischen zugehörig – durch Brauchtumspflege, Tracht, Musik, Vereinsarbeit, kulturelles Engagement oder der eigenen Familiengeschichte – ohne zwingend die Sprache zu sprechen oder zu lernen. Sie sind zahlenmäßig eine relevante Gruppe und besitzen als Multiplikator:innen und Netzwerkmitglieder erheblichen Einfluss auf die Sichtbarkeit und das Prestige des Sorbischen.

Kulturell Verbundene sollten in der Sprachstrategie nicht übergangen werden, aber auch nicht überfordert: Sprachliche Kompetenz ist keine Bedingung für sorbische Identität, und die Strategie sollte dies respektieren. Gleichzeitig bietet das bestehende Interesse an Kultur einen natürlichen Einstieg in den Sprachkontakt: Sprachelemente, die in kulturellen Kontexten auftreten – Liedtexte, Grußformeln, Bezeichnungen für Bräuche oder Orte – können als Brücke wirken, ohne dass ein explizites Lernangebot aufgedrängt wird.

Das Potenzial dieser Gruppe liegt vor allem darin, dass sie die soziale Sichtbarkeit des Sorbischen stärkt und normalisiert. Vereinsaktivitäten, Festivals und Kulturveranstaltungen, die sorbische Sprache als selbstverständliches Element einbinden, erhöhen das Prestige und die Alltagspräsenz.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichVereinsmitglieder / Brauchtumspflegende    Kulturell Engagierte (Musik, Kunst, Film)    Professionelle Kulturschaffende    Kinder aus gemischten/nicht-sorbischen Familien mit Kulturbezug    

6.6 Einflussreiche Dritte / Wliwa połne tśeśe

Einflussreiche Dritte sprechen Niedersorbisch nicht und lernen es in der Regel auch nicht – aber sie gestalten die Umwelt, in der die Sprache genutzt wird oder nicht. Zu dieser Gruppe gehören Entscheider:innen und anders relevant Tätige in Strukturen von Kommunen und Landkreisen, Behörden und Verwaltungen, Schulen und Bildungseinrichtungen ohne Sorbischangebote, Unternehmen und Arbeitgeber:innen, regionalen und überregionalen Medien sowie Kirchengemeinden, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Parteien.

Sie entscheiden darüber, welche Sprachen auf Amtsschildern und Formularen erscheinen, ob Arbeitnehmer:innen mit Sorbischkenntnissen besondere Wertschätzung erfahren, ob regionale Medien sorbische Themen als relevant behandeln und ob Grundschulen ohne eigenes Sorbischangebot das Sorbische wenigstens als regionales Phänomen thematisieren, welche politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen formuliert und wie diese umgesetzt werden.

Einflussreiche Dritte brauchen vor allem Information und Orientierung: Was sind ihre rechtlichen Verpflichtungen? Was können sie freiwillig tun? Wie können sie die Sprachgemeinschaft konkret unterstützen, ohne selbst Sorbisch zu lernen? Ein Beratungsangebot einer künftigen Sprachagentur sowie einfache Instrumente (Leitfäden für kommunale Sprachenpolitiken, Musterformulare, Sorbisch-freundliche Stellenausschreibungen) sind entscheidend dafür, dass diese Gruppe als Unterstützerin gewonnen werden kann.

Unternehmen und Arbeitgeber:innen sind eine häufig unterschätzte Gruppe: Wenn Sorbischkenntnisse in der Arbeitswelt sichtbar wertgeschätzt werden – durch Zulagen, Präferenz bei Einstellungen, Sorbisch als Qualifikationsmerkmal –, entsteht ein handfester Anreiz für den Spracherwerb, der über kulturelle Motivation hinausgeht.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichVerwaltungen und Behörden    Schulen und Bildungseinrichtungen (ohne Sorbischprogramm)    Unternehmen und Arbeitgeber:innen    Medien (regional, überregional)    Kirchengemeinden    Politiker:innen    

6.7 Konfrontierte Nichtsprechende / Konfrontěrowane njepowědajuce

Konfrontierte Nichtsprechende begegnen dem Niedersorbischen im Alltag – auf zweisprachigen Ortsschildern, in Stellenausschreibungen, auf Kulturveranstaltungen, im Schulunterricht anderer Klassen – ohne es zu sprechen oder zu lernen. Sie stellen die breite Bevölkerung im und um das Siedlungsgebiet dar, einschließlich Zugezogener ohne Sorbischbezug und Schüler:innen ohne Sorbischunterricht.

Diese Gruppe hat keinen aktiven sprachlichen Bedarf – und das ist in Ordnung. Ihre Relevanz für die Strategie ergibt sich aus einer anderen Funktion: Sie prägen das gesellschaftliche Klima, in dem die Sprachgemeinschaft lebt. Ablehnung, Unverständnis oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Sorbischen machen es für Sprecher:innen und Lernende schwieriger, die Sprache im Alltag sichtbar zu nutzen. Akzeptanz, Neugier und Respekt hingegen schaffen ein Umfeld, in dem sorbisches Sprechen als normal und willkommen wahrgenommen wird.

Konfrontierte Nichtsprechende brauchen kein spezielles Sprachlernangebot, sondern Basisinformation und Sensibilisierung: Was ist Niedersorbisch? Warum ist die Sprache erhaltenswert? Wie kann ich als Nichtsprechende:r etwas beitragen und die Sprachgemeinschaft unterstützen? Diese Information sollte in den allgemeinen Schulunterricht, in kommunale Willkommensangebote und in die regionale Öffentlichkeitsarbeit eingebunden sein.

Besonders wichtig ist Diskriminierungsprävention: Negative Reaktionen auf sorbisches Sprechen in öffentlichen Räumen – Augenrollen, abwertende Kommentare, Ungeduld – haben eine abschreckende Wirkung, die weit über den unmittelbaren Vorfall hinausreicht. Die Normalität sorbischen Sprechens im öffentlichen Raum herzustellen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der auch Nichtsprechende mitwirken können.

TeilgruppeBeschreibung & BedarfeZieleMaßnahmenVerantwortlichAllgemeine Bevölkerung im Siedlungsgebiet    Neubürger:innen (Zugezogene ohne sorbischen Bezug)    Schüler:innen ohne Sorbischkontakt    

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