Das Verhältnis dieser Strategie zu anderen Sprachplanungen relevanter Akteure / Pom...
3.1 Überblick: Bestehende Sprachplanungen und ihre Grenzen / Pśeglěd...
Sprachplanung für das Niedersorbische findet derzeit auf mehreren, weitgehend voneinander unabhängigen Ebenen statt. Das Land Brandenburg hat mit dem 2. Landesplan zur Stärkung der niedersorbischen Sprache (2022, erster Landesplan von 2016) einen staatlichen Aktionsplan vorgelegt, der sprachplanerische Ziele und Maßnahmen in Handlungsfeldern mit direkter staatlicher Zuständigkeit definiert. Das Mehrsprachigkeitskonzept des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (2023) beschreibt Maßnahmen für den niedersorbischen Bildungsbereich. Die Stiftung für das sorbische Volk steuert die institutionelle und Projekt-Förderung über ihre Förderrichtlinien. Das WITAJ-Sprachzentrum des Domowina - Bund Lausitzer Sorben e.V. betreibt eigene Programme zur Sprachförderung in früher Kindheit und Schule. Das Sorbische Institut führt Grundlagenforschung und wissenschaftliche Begleitforschung durch und stellt sprachliche digitale Ressourcen über das Portal niedersorbisch.de zur Verfügung. Die staatliche Arbeitsstelle für sorbische/wendische Bildungsentwicklung Cottbus (ABC, inzwischen Teil des 2025 neu geschaffenen Landesinstituts Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung LIBRA) entwickelt u. a. Curricula für den Niedersorbisch-Unterricht. Ebenfalls auf die Spracherwerbsplanung wirken sich kommunale Planungen wie beispielsweise die Schulentwicklungsplanung oder die Förderung der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur aus.
Diese fragmentierte Planungslandschaft ist ein Ergebnis des deutschen Föderalismus und der historisch gewachsenen institutionellen Strukturen. Sprachplanung findet auf den Ebenen von Bund, Land, Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft statt, ohne dass sich diese Akteure bisher abgestimmt hätten oder eine koordinierende Instanz die Ausrichtung auf gemeinsame Ziele unterstützt und sichergestellt hätte (Kostiučenko et al. 2026/AP11). Die Serbska rěcna strategija soll diese Koordinationslücke schließen.
3.2 Die Strategie als übergreifender Koordinierungsrahmen / Strategija ako pśesegajucy ramik koordiněrowanja
Die vorliegende Strategie ist nicht als Konkurrenz zu bestehenden Planungen konzipiert, sondern als übergreifender Koordinierungsrahmen, dem sich alle Akteur:innen freiwillig verpflichten können. Sie formuliert Gesamtziele, an denen sich Einzelplanungen orientieren, schafft Transparenz über Zuständigkeiten und Synergien und ermöglicht eine gemeinsame Erfolgsmessung.
Wo staatliche Planungen (Landesplan) gesetzliche Pflichten konkretisieren, setzt die Strategie Prioritäten und ergänzt diese durch zivilgesellschaftliche und institutionelle Verantwortlichkeiten. Wo Förderinstrumente (Stiftung) Ressourcen verteilen, gibt die Strategie eine inhaltliche Richtung vor. Die Strategie ist auf die Koordination des Sprachplanungsprozesses ausgelegt, nicht auf die Kontrolle der einzelnen Akteur:innen.
3.3 Verhältnis zu den Planungen ausgewählter Akteure / Poměr k planowanjam wubranych akterow
3.4 Was diese Strategie nicht leistet / Co toś ta strategija njewugbajo
Die Strategie ersetzt keine staatlichen Aktionspläne und trifft keine Entscheidungen über die Verteilung von Fördermitteln. Sie ist kein Rechtsdokument und begründet keine einklagbaren Ansprüche. Sie kann nur dann wirksam werden, wenn die beteiligten oder zur Umsetzung nötigen Akteur:innen Verantwortung übernehmen, ihre Selbstverpflichtungen einhalten und die dafür notwendigen Ressourcen bereitstellen oder einwerben.
Die Strategie enthält keine detaillierten operativen Pläne für einzelne Institutionen – diese bleiben in deren Eigenverantwortung. Sie gibt jedoch den Rahmen vor, innerhalb dessen diese Pläne kohärent entwickelt werden sollten.